Ursachen

Hamid*

Hamid*, 13 Jahre alt, ist 2016 mit seinen Eltern aus Syrien geflohen und nach Deutschland gekommen. Die Familie darf zwar hier bleiben, Geld haben sie allerdings nur für das Nötigste. Die Miete kann bezahlt werden und zu essen haben Sie auch. Für die Nachhilfestunden, die Hamid gerne nehmen würde, reicht es aber nicht.

Julia*

Julia* (10 Jahre) wohnt mit ihrer Mutter und dem kleinen Bruder in Stuttgart. Ihren Vater hat sie lange nicht mehr gesehen. Trotz Teilzeitbeschäftigung der Mutter ist die kleine Familie auf Sozialhilfe angewiesen. Der Geigenunterricht hat Julia großen Spaß gemacht;  der ist inzwischen aber viel zu teuer geworden. 

Alex*

Alex* (7 Jahre), wegen der schweren Krankheit seiner Mutter, hat Alex´ Vater wenig Zeit für ihn.  Alex muss die Hausaufgaben meist selber erledigen und hilft zusätzlich mit im Haushalt. Weil die Behandlung der Mutter sehr teuer ist, kann er diesen Sommer auch nicht mit seinen Kumpeln ins Fußballcamp. Die Situation macht ihn sehr traurig und er fühlt sich ausgeschlossen.

* Namen und Situationen der Kinder sind frei erfunden. Ähnliche Szenarien existieren nach unserer Erfahrung tausendfach in Baden-Württemberg

Kinder sind durch ihre finanzielle Unselbstständigkeit von dem Einkommen und der finanziellen Situation der Eltern abhängig. Kinderarmut ist also immer auch Elternarmut. Die betroffenen Kinder werden in die wirtschaftliche Situation hineingeboren und können diese aus eigener Kraft nicht verändern.
Vor allem Kinder von Alleinerziehenden und Kinder deren Eltern von Arbeitslosigkeit betroffen sind, haben ein deutlich erhöhtes Armutsrisiko.

Ursachen für Armut

Alleinerziehend zu sein, führt zu Armut

Der Haushaltstyp des Kindes stellt eine strukturelle Ursache von Armut dar. Alleinerziehende sind nicht nur deutlich häufiger, sondern auch länger von Armut betroffen. Jeder zweite Ein-Elternhaushalt in BW ist von Armut betroffen.

Viele Kinder zu haben, führt zu Armut

Mit jedem Kind steigt die finanzielle Belastung, doch ab dem dritten verdoppelt sich das Armutsrisiko in Baden-Württemberg. Besonders hart sind davon niedrige Einkommen und Ein-Elternhaushalte betroffen.

Nicht erwerbstätig zu sein, führt zu Armut

Jeder zweite Erwerblose und fast zwei Drittel aller langzeitarbeitslosen Menschen in BW sind arm. Wenn Armut zur sozialen Isolation führt, greifen die Sozialleistungen zu kurz.

Einen Migrationshintergrund zu haben, führt zu Armut

Der kulturelle Hintergrund bestimmt bei Eltern und Kindern immer noch stark das Armutsrisiko. Mit Migrationshintergrund ist dieses bereits doppelt so hoch als ohne, wer die deutsche Staatsbürgerschaft nicht hat, ist dreimal so häufig von Armut gefährdet. 

Krank zu sein, führt zu Armut

Wer gesundheitlich eingeschränkt ist, kann nicht in vollem Umfang arbeiten und das Armutsrisiko steigt. Doch auch Armut selbst ist ein Gesundheitsrisiko. Armut führt früher und häufiger zur Pflegebedürftigkeit, zu psychischen Erkrankungen und sie verkürzt die Lebenserwartung nachhaltig.