Suchthilfe

Den Suchtberatungsstellen im Caritasverband Rottenburg-Stuttgart ist es wichtig, die Lebensumstände von suchtkranken Menschen und ihren belasteten Familien zu verstehen und ihnen als Familie und jedem Einzelnen eine passgenaue Hilfe anzubieten. Unsere Hilfe- und Beratungsangebote setzen am Willen und den Interessen der Menschen an. Gemeinsam mit ihnen wollen wir Eigeninitiative, Eigenverantwortung und Selbstsorge stärken. Wir arbeiten mit Ratsuchenden an möglichen Zielen und lohnenden Veränderungen um so zur gelingenden Lebensbewältigung beizutragen. In den Mittelpunkt stellen wir die Verwirklichung eines guten und gesunden Lebens. Wir beraten, behandeln und unterstützen  Menschen auf ihrem Weg während des Hilfebedarfs, der Rehabilitation und in der Nachsorge. Hier steht die Integration in Arbeit, Familie und soziale Gruppen im Vordergrund.

Kooperation mit Kreuzbund Diözesanverband Rottenburg-Stuttgart e.V.

Im Kreuzbund Diözesanverband sind viele Suchtselbsthilfegruppen aktiv. Mit ihren regelmäßigen Gruppentreffen sind sie für viele Hilfesuchende eine wichtige Anlaufstelle. Die Teilnehmer machen die eigene Betroffenheit zur Stärke, die anderen zugute kommt. Der Gruppenbesuch ermöglicht vielen wieder Eigeninitiative zu ergreifen und an der Gesellschaft teilzuhaben.
Kreuzbund und die Beratungsstellen des Caritasverband Rottenburg-Stuttgart arbeiten zum Wohle von Menschen mit Suchtbelastung eng und konstruktiv zusammen. Regelmäßige Arbeitstreffen und Fachtage dienen dazu, gesellschaftliche Entwicklungen in den Blick zu nehmen und sich kollegial zu beraten und abzustimmen. Darüber hinaus gibt es an jedem Standort ein sogenanntes Tandem-Projekt, das in Kooperation zwischen Beratungsstelle und Kreuzbund durchgeführt wird. Vielfach können die Selbsthilfegruppe ihre wöchentlichen Treffen in den Räumen der Beratungsstellen abhalten.

Das Hilfenetzwerk

Über 50 Mitarbeiter der verbandlichen Caritas arbeiten an 9 Standorten und mehr als 15 Außenstellen der psychosozialen Beratungsstellen und des Caritasverbands für Stuttgart. Der Kreuzbund e.V. umfasst als größter Zusammenschluss der Suchtselbsthilfe ca. 100 Selbsthilfegruppen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Außerdem gibt es weitere 20 nicht verbandlich organisierte Selbsthilfegruppen, an die die Beraterinnen und Berater gerne vermitteln.

Unsere Aufgaben und Ausrichtung

Netzwerkarbeit, strategische Ausrichtung, zivilgesellschaftliches Engagement

Wir kooperieren und kommunizieren in Netzwerken mit unterschiedlichen Kooperationspartnern. Arbeiten vor Ort eng mit Hausärzten und Einrichtungen der Suchtmedizin und Suchtpsychiatrie zusammen und wirken mit in den kommunalen Suchthilfenetzwerken. Unserer strategischen Ausrichtung im Bereich der Suchtkrankenhilfe und Suchtselbsthilfe ist orientiert am sozialen Raum und am Alltag der Menschen.

  • Wir setzen uns ein für die soziale und berufliche Teilhabe von Menschen mit Suchtbelastung.

  • Wir werben für Solidarität mit abhängigkeitskranken Menschen.

  • Wir wollen Stigmatisierung vermeiden und den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken.

  • Wir engagieren uns für Suchtprävention und Gesundheitsförderung an Schulen, Betrieben und Bildungseinrichtungen.

  • Wir behandeln und beraten Menschen mitabhängigem Verhalten mit Respekt und orientieren uns an ihren Zielen.

  • Wir machen auf gesundheitliche Risiken von Suchtmittelkonsum aufmerksam und tragen zur Aufklärung in der Öffentlichkeit bei.

  • Wir machen uns stark für das Wohlbefinden von suchtbelasteten Familien, Kinder und Jugendliche, Single und Paare, ältere Menschen sowie Angehörige und bieten uns als Kooperationspartner im Suchthilfe- und Versorgungssystem an.

Ein substanzbezogenes Problem erfasst nicht den ganzen Menschen und ist veränderbar, davon sind wir überzeugt. Soziale Probleme sind häufig die Ursache für diese substanzbezogenen Probleme, gleichzeitig wirkt sich der exzessive Konsum von Suchtmitteln negativ auf das soziale Umfeld aus. Wir sind der Meinung, dass eine Suchterkrankung jeden treffen kann. Deshalb möchten wir dazu anregen, sich für suchtkranke Menschen zu engagieren und wenn möglich, politisch für Sie einzustehen.

Das soziale Umfeld in den Blick nehmen

In unserer Arbeit ist es uns wichtig, die Familie und ihr soziales Umfeld in den Blick zu nehmen und zur Zusammenarbeit einzuladen. Denn die Erfahrung zeigt, dass sich eine Suchterkrankung auf alle auswirkt. Die Einbindung der Angehörigen in den Hilfeprozess kann ein wichtiger Baustein in der Prävention, Beratung und Therapie sein. Dadurch werden alle Beteiligte in ihrer individuellen Situation gesehen und erfahren Hilfe und Unterstützung.

Unsere Beratungs- und Hilfeangebote richten sich selbstverständlich auch an Angehörige von Suchtkranken. Häufig sind auch sie mit der suchtbezogenen Situation und der Krankheit des Partners oder der Partnerin, der Verwandten, des Vaters oder der Mutter überfordert. Insbesondere Kinder leiden unter der suchtbezogenen familiären Belastung. Nicht selten ist ihre Entwicklung gefährdet. Je nach Interesse arbeiten wir eng mit weiteren Diensten der Caritas zusammen. Dadurch können wir die Wechselwirkung mit anderen Lebensbereichen wie z. B. Wohnen, Arbeit, Erziehung, Ehe und Partnerschaft gemeinsam in den Blick nehmen und interdisziplinäre Hilfen entwickeln.

Beruf und Arbeit im Hilfeprozess berücksichtigen

Ein wichtiger Teil der Suchtberatung, -therapie und der Nachsorge ist dem Erhalt oder der Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit gewidmet. Im Rahmen der ambulanten Suchttherapie ermöglichen wir eine berufliche Rehabilitation, sowie eine familienorientierte Rehabilitation, die im konkreten Alltag angesiedelt ist und sowohl die familiäre als auch die berufliche Situation mit berücksichtigt. Dies macht es möglich, in der Behandlung erworbenes Wissen im Alltag direkt umzusetzen, Erfahrungen zu machen und diese wiederum im therapeutischen Setting gemeinsam zu reflektieren. Wir arbeiten eng mit den Jobcentern und der Agentur für Arbeit zusammen und bieten auch dort unsere Beratungsdienste an.

Betriebe beraten und für das Thema Sucht sensibilisieren

Darüber hinaus stehen wir Betrieben unterschiedlicher Größe für Seminare zur betrieblichen Suchtprävention bzw. zum betrieblichen Gesundheitsmanagement zur Verfügung. Wir bieten Schulungen für Führungskräfte an, um riskant konsumierende Betriebsangehörige frühzeitig und kompetent erreichen zu können. Bei Bedarf führen wir Kurse zum Selbstkontrolltraining und zur Stärkung der Eigenverantwortung durch. In der berufsorientierten Reha arbeiten wir an der stabilen Gesundheit und Arbeitsfähigkeit. Die berufs- und arbeitsbezogene Nachsorge dient dazu, die in der Reha erworbenen Fähigkeiten zu festigen .

Ihre Caritas-Beratungsstelle vor Ort  berät Sie gerne zu Möglichkeiten, wie wir Sie unterstützen können.

Niederschwellige Angebote in der Prävention, Therapie und Rehabilitation

Oft geht mit dem substanzbezogenen Problem ein großes Schamgefühl einher, weswegen betroffene Menschen den Kontakt zu Beratungsstellen nicht selbstverständlich suchen. Mit niedrigschwelligen Angeboten wollen wir in den Sozialräumen, dort wo die Menschen sind, präsent sein und helfen - unaufdringlich aber aufsuchend. Die Angebote sollen konsumierende Jugendliche und Erwachsene zu einem frühen Zeitpunkt erreichen und so den Weg ins Hilfesystem ebnen oder sogar den Einstieg in einen Behandlungspfad erleichtern. Niedrigschwellige Hilfen antworten stets auf die konkrete Notlage und zeigen Wege in ein lebenswertes Leben auf.

Niedrigschwellige Hilfen …

  • … sind Sofort- und Krisenhilfen ohne Voraussetzung und am konkreten Ort.

  • … legen großen Wert auf einen gelingenden, wohlwollenden Kontakt zwischen Hilfesuchenden und Fachkräften.

  • … setzen dort an, wo Kontakte und soziale Beziehungen brüchig und verletzlich sind.

  • … richten sich an alle Menschen mit suchtbezogenen Problemen, unabhängig von Religion, Nationalität und kultureller Herkunft.

  • … sind auch ganz konkret materielle Hilfen, wenn das Überleben in Gefahr ist.

  • … akzeptieren die betroffene Person und wahren ihre menschliche Würde.