URL: www.caritas-rottenburg-stuttgart.de/wer-wir-sind/mit-100-in-die-zukunft/caritas-28/
Stand: 17.08.2018

Charta 28

des Caritasverbandes
der Diözese Rottenburg-Stuttgart e. V.

gezeichnete Menschen unterschiedlichen Alters und Aussehen stehen an einer U-Bahn-Haltestelle

 

Ich suche nicht - ich finde.
Suchen - das ist Ausgehen von alten Beständen und ein
Finden-Wollen von bereits Bekanntem im Neuen.
Finden - das ist das völlig Neue!
Das Neue auch in der Bewegung. Alle Wege sind offen,
und was gefunden wird, ist unbekannt.
Es ist ein Wagnis, ein heiliges Abenteuer!

Die Ungewissheit solcher Wagnisse können eigentlich nur
jene auf sich nehmen, die sich im Ungeborgenen geborgen wissen,
die in die Ungewissheit, in die Führerlosigkeit geführt werden,
die sich vom Ziele ziehen lassen und nicht
- menschlich beschränkt und eingeengt -
das Ziel bestimmen.

Dieses Offensein für jede neue Erkenntnis im Außen und Innen:
Das ist das Wesenhafte des modernen Menschen,
der in aller Angst des Loslassens doch die Gnade des Gehaltenseins
im Offenwerden neuer Möglichkeiten erfährt.

PABLO PICASSO

Icons Pfeil unten

Charta 28 - Stationen+ÜS Innenseite

"Wer Gott umarmt, findet in seinen Armen die Welt;
wer in seinem Herzen das Gewicht Gottes aufnimmt,
empfängt auch das Gewicht der Welt"

MADELEINE DELBRÊL


Ein Liniennetz stellt die gesellschaftlichen Entwicklungen dar, die der Caritasverband mitgestalten wird.

 

 

Charta 28 - Legende

"Jedes Mal, wenn wir versuchen, zur Quelle zurückzukehren und die ursprüngliche Frische des Evangeliums wiederzugewinnen,
tauchen neue Wege, kreative Methoden, andere Ausdrucksformen, aussagekräftige Zeichen und Worte reich an
neuer Bedeutung für die Welt von heute auf." 

 PAPST FRANZISKUS, EVANGELII GAUDIUM 11

 

 

 

 

    

Charta 28 - Stationen_Pfeil rechts

Mit 100 in die Zukunft

Der Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart besteht seit 100 Jahren. Mit dieser Erfahrung schaut er auf die nächsten zehn Jahre, inmitten eines epochalen Wandels, der alle gesellschaftlichen Fragen und individuellen Lebensbereiche betrifft.

Deshalb haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus allen Bereichen des Caritasverbandes gemeinsam mit externen Expertinnen und Experten nachgedacht.

Unsere Ausgangsfragen:

  • In welcher Gesellschaft wollen wir leben?
  • Wie kann der Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart als Zusammenschluss kirchlich-sozial-caritativer Träger weiterhin einer der maßgeblich gestaltenden Akteure in einer immer komplexer und vielfältiger werdenden Gesellschaft sein?

Als Ergebnis dieses gemeinschaftlichen Nachdenkens haben wir künftige Wirkungsfelder aus unserer Perspektive in der Charta 28 beschrieben. Die Inhalte werden in den nächsten Jahren immer wieder beleuchtet, um Aktualität und Bedeutung der Charta zu erhalten.

Charta 28 - Stationen_Pfeil untenUnsere Orientierung

Der Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart fokussiert mit seiner Charta 28 den Blick auf jene gesellschaftlichen Entwicklungen, die er als wertegebundener Verband und Teil der katholischen Kirche in den kommenden zehn Jahren aktiv mitgestalten will.

Quelle und Inspiration ist uns hierbei das Evangelium. Nur in der Auseinandersetzung mit den aktuellen Herausforderungen und im Dialog mit den Menschen entdecken wir die befreiende Kraft des Evangeliums immer wieder neu. Der spirituelle Reichtum der verschiedenen Religionen kann dabei unser Anliegen verstärken. In diesem Tun vertrauen wir auf die Gegenwart der Liebe Gottes, die wir nicht aus eigener Kraft herstellen müssen.

Getragen von diesem Vertrauen werden wir als Caritasverband daran mitarbeiten, ein gelingendes Zusammenleben in einer menschenliebenden Gesellschaft zu gestalten. Wir werden Potenziale für die Zukunft, Fragen, Herausforderungen und Aufgaben erkennen.

Gesellschaftliche Entwicklungen

Die Charta 28 greift fünf gesellschaftliche Entwicklungen auf:

 Station 1Charta 28 - Pfeil rechts Leben in einer Vielfaltsgesellschaft

Charta 28 - Strecke 1_Vielfaltsgesellschaft_neu

Vielfalt steht für die Unterschiedlichkeit von Menschen hinsichtlich Geschlecht, Alter, Nationalität, ethnischer Herkunft, Religion oder Weltanschauung, sexueller Identität, körperlich- & geistiger Merkmale und Fähigkeiten. Jeder Mensch ist, so wie er ist, einzigartig.
Wir verstehen Vielfalt als Potenzial und Chance für unsere Gesellschaft. Unsere Perspektive ist Inklusion: Gemeinsam und verschieden als Menschen in einer Welt zu leben.
In einer freiheitlich-demokratischen, rechtsstaatlichen Gesellschaft setzen wir uns für ein gelingendes Zusammenleben so ein, dass sich die Unterschiedlichkeit der Menschen bereichernd entfalten kann. Als Teil dieser Gesellschaft wollen wir Ausgrenzungen von Menschen (Exklusion) verhindern und Inklusion fördern. Deshalb unterstützen und fördern wir entsprechende Haltungen, Prozesse und Strukturen.

 Station 2Charta 28 - Pfeil rechts Eine Gesellschaft ohne Armut

Charta 28 - Strecke 2_Gesellschaft ohne Armut_neu

Armut ist ein strukturell verursachtes gesellschaftliches Problem und wird individuell erfahren. Die Dimensionen von fehlender Arbeit, niedrigem Einkommen, mangelnder Bildung, schlechter Wohnsituation und eingeschränkter Gesundheit  beeinträchtigen die Lebenssituation der betroffenen Menschen massiv und werden zu einem komplexen, oft ausweglosen Wirkungsgefüge.
Verschärfend entwickeln sich die Lebensverhältnisse der Menschen in allen Dimensionen immer weiter auseinander.
Deshalb setzen wir uns mit all unseren Möglichkeiten für den Abbau von Unterschieden in den wirtschaftlichen und sozialen Lebensbedingungen ein. Wir werden uns niemals damit abfinden, dass Menschen in Armut leben müssen.

 Station 3Charta 28 - Pfeil rechtsDie ökonomisierte Wachstumsgesellschaft und das Gemeinwohl

Charta 28 - Strecke 3_Wachstumsgesellschaft

Wir erkennen den gestiegenen Wohlstand und die besseren Lebensbedingungen, die sich für viele Menschen weltweit aufgrund der Wachstumsökonomie entwickelt haben. Wir sehen aber auch, dass es auf einem begrenzten Planeten kein unbegrenztes Wachstum geben kann. Globale Ungerechtigkeiten, Krisen und Konflikte sind die andere Seite der Wachstumsgesellschaft, von der wir ein Teil sind. Das gute Leben jenseits des Wirtschaftswachstums und die Gesellschaftsform, die ein solches Leben ermöglicht, müssen erst noch gefunden werden. Hier werden wir uns im Spannungsverhältnis von Ökologie, Ökonomie und Sozialem engagieren. Die Bewegungen zu Gemeinwohlorientierung und Postwachstumsgesellschaft bieten dazu Orientierungen. Die gemeinnützigen Unternehmen der Sozialwirtschaft können dazu einen eigenen Beitrag leisten. Deshalb setzen wir uns für Erhalt und Ausbau ihrer Leistungsfähigkeit im Wettbewerb und jenseits eines ökonomisierten Marktgeschehens ein.

 Station 4Charta 28 - Pfeil rechtsDie digitalisierte Gesellschaft

Charta 28 - Strecke 4_digitalisierte Gesellschaft

Wir verstehen Digitalisierung als umfassenden gesellschaftlichen Transformationsprozess, der alle gesellschaftlichen Fragen und individuellen Lebensbereiche betrifft und sie beeinflussen wird.
Private finanzstarke Konzerne haben begonnen, weltweit die digitale Entwicklung zu dominieren. Dies erzeugt neue Dynamiken und Spannungsverhältnisse beim Schutz des Privaten und bei Fragen der Sicherheit, beim demokratischen Gemeinwesen und beim Verhältnis von Mensch und  Maschine, bei der Transparenz selbstlernender Algorithmen, neuer Geschäftsmodelle und vielem mehr.
Wir werden daran mitarbeiten, dass die Potenziale der Digitalisierung vor allem den Menschen in ihrer individuellen Lebensgestaltung, in ihrer Arbeitswelt und einer am Gemeinwohl orientierten Gesellschaft zu Gute kommen.

 Station 5Charta 28 - Pfeil rechtsDie sorgende Gesellschaft

Charta 28 - Strecke 5_sorgende Gesellschaft

Zur Substanz unseres Menschenbildes gehört das Verständnis, dass der Mensch auf andere Menschen angewiesen ist. Menschsein verwirklicht sich vor allem in Beziehung mit und zu anderen Menschen.
Sorgen und Versorgen von Menschen in allen Lebensphasen sind derzeit überwiegend private, familiäre Au gaben, die trotz Ausbau beruflicher Sorge-Dienstleistungen im Gesundheitssystem immer weniger leistbar sind. Diese Arbeiten sind in unserer  Gesellschaft oft unsichtbar, bekommen wenig Anerkennung und sind mit schlechten Arbeitsbedingungen verknüpft. Die übergeordnete Frage nach gesellschaftlichen und geschlechterpolitischen Dimensionen all der sorgenden und versorgenden Tätigkeiten wird derzeit noch unzureichend thematisiert.
Wir beteiligen uns intensiv an der Entwicklung einer Gesellschaft, die auf solidarischem Umgang miteinander basiert - im Wissen, dass die Rahmenbedingungen dieses Umgangs immer wieder neu ausgehandelt werden müssen. Wir unterstützen die Realisierung von Rahmenbedingungen, die gelingende Sorgebeziehungen ermöglichen. Die Bewegung der Care-Revolution ist dazu die Basis.


Charta 28 - Stationen_Pfeil unten

Neues Arbeiten als zivilgesellschaftlicher Akteur

Das Mitgestalten dieser fünf gesellschaftlichen Entwicklungen ist vor allem dann leistbar und wirksam,

  • wenn wir über die Zivilgesellschaft hinaus mit relevanten Akteuren zusammenarbeiten. Dazu initiieren und koordinieren wir zwischen den gesellschaftlichen Sektoren Kirche, Staat, Markt und Zivilgesellschaft Entwicklungsprozesse;
  • wenn wir Soziale Räume als Gesellschafts- und Handlungsräume bewusst wahrnehmen, die eine eigene Entwicklungsqualität erzeugen und ermöglichen. Wir greifen Handlungsbedarfe auf, verbessern Rahmenbedingungen und gestalten raumbezogen Partizipation mit;
  • wenn wir mutig Neues (er)finden. Wir investieren vor allem in soziale Innovation.

"… der Kirche (obliegt) allzeit die Pflicht, nach den Zeichen der Zeit zu forschen und sie im Licht des Evangeliums zu deuten…. Es gilt also, die Welt, in der wir leben, ihre Erwartungen, Bestrebungen und ihren oft dramatischen Charakter zu erfassen und zu verstehen."

Zweites Vatikanisches Konzil, Gaudium et spes 4

In diesem Sinne hat der Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart im Jahr seines 100-jährigen Bestehens die Charta 28 geschaffen.
Alle Verantwortlichen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Partnerinnen und Partner, Freundinnen und Freunde, Förderinnen und Förderer der Caritas und alle Menschen, die sich in diesem Sinne engagieren wollen, fordern wir auf, die Charta 28 gemeinsam mit weiteren Verbündeten lebendig werden zu lassen.

 Fahrkarten für die Mitarbeit an der Charta 28

Kontakt:

Sie wollen die Gesellschaft mitgestalten? Sie brauchen mehr Infos zur Charta 28 oder möchten ein gedrucktes Exemplar haben? Sie haben Lob oder Kritik?

Wir freuen uns auf Ihre E-Mail an info@caritasachtundzwanzig.de

Sigrid
Zinnecker

Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart e.V.
Verbands- und Strategieentwicklung
Strombergstraße 11
70188
Stuttgart

Telefon:
Telefax:
+49 (711) 2633-1280
+49 (711) 2633-1287

Copyright: ©  2018