Die Caritas im Land will Generationen zusammenführen und dem Erstarken von Gruppenegoismen entgegen wirken. Die Lösung der gesellschaftlichen, sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen gelinge nicht im Gegeneinander, so die Caritas, sondern nur im Miteinander und Füreinander. Das unterstrich der katholische Wohlfahrtsverband bei seinem Jahresauftakt am Mittwoch (4. Februar) im Haus der Katholischen Kirche in Stuttgart, bei dem die diesjährige Kampagne "Zusammen geht was. Caritas verbindet Generationen" vorgestellt wurde. Mit der Jahreskampagne 2026 macht sich der Sozialverband für eine Zukunft stark, die Jung und Alt gerecht wird.
Vor rund 200 Gästen aus Politik, Medien, Kirche und Wissenschaft sagte Diözesan-Caritasdirektorin Birgit Schaer (Freiburg), dass Herausforderungen wie Einsamkeit, Pflegebedürftigkeit, Klimafolgen oder wirtschaftlicher Druck die Generationen zwar unterschiedlich treffen, aber sich nur gemeinsam lösen lassen. "Deshalb sollten wir uns bei den dringend notwendigen Reformen unseres Sozialstaates vom Geist des Füreinander leiten lassen", betonte sie. Schaer nannte unter anderem ein stabiles, vertrauenswürdiges Sozialversicherungssystem, in das Menschen aller Lebensphasen Vertrauen haben können: "Das heißt: Keine Generation darf die Verantwortung alleine tragen müssen." Sozialer Zusammenhalt sei kein Randthema, sondern die Basis einer funktionierenden Demokratie, sagte sie im Hinblick auf die anstehende Landtagswahl. Am Ende gehe es darum, wie wir miteinander leben wollen: "Nicht getrennt nach Generationen, nicht in Parallelwelten, sondern in einer für alle Generationen lebenswerten Gesellschaft", unterstrich Birgit Schaer.
Diözesan-Caritasdirektor Oliver Merkelbach (Rottenburg-Stuttgart) sagte, Alt und Jung zusammenzubringen sei nicht nur ein schöner Satz, sondern eine Haltung: "Die bevorstehende Landtagswahl macht deutlich, worum es jetzt geht. Wenn politische Kräfte im Land infrage stellen, ob Solidarität noch bezahlbar ist, sagen wir klar: Caritasarbeit ist Demokratiearbeit. Die Unterstützung von Menschen in Not steht nicht zur Disposition. Deshalb bringen wir uns ein, wo immer es notwendig ist. Wir stehen für die Würde jedes Menschen. Und wir verteidigen einen Zusammenhalt, der Menschen - und Generationen - verbindet, statt sie gegeneinander auszuspielen."
Zwei Projekte zeigten an diesem Abend beispielhaft, wie Caritas Generationen verbindet. Die Caritas Ulm bietet mit "Wohnen für Hilfe" ein Projekt an, das ältere Menschen mit Wohnraum und jüngere Menschen mit geringem Budget zusammenbringt. Für Hilfeleistungen im Alltag wohnen die Jüngeren günstig, wobei die Caritas das Matching und die Beratung übernimmt. In Freiburg ermöglicht das Generationenprojekt "Jung & Alt" die Begegnung zwischen Kindern und älteren Menschen. Grundschüler der 4. Klasse besuchen einmal pro Woche ein nahegelegenes Seniorenheim und verbringen dort gemeinsame Zeit mit den Bewohnerinnen und Bewohnern. Die Kinder der Reinhold-Schneider-Schule bereiten sich gezielt auf Besuche im Pflegeheim vor und lernen mit einem speziellen "Führerschein" den sicheren Umgang mit Rollstuhl und Rollator.
Caritas-Medienpreis würdigt herausragende publizistische Leistungen
In der Veranstaltung wurden fünf Journalistinnen und Journalisten sowie die SWR-Redaktion Heimat des SWR mit dem 37. Caritas-Medienpreis Baden-Württemberg ausgezeichnet. Mit ihren herausragenden Beiträgen halten sie "den Sinn für die sozialen Anliegen in unserer Gesellschaft wach", so die beiden Caritasdirektoren - eine Grundlage, damit sich der Geist von Mitmenschlichkeit entfalten könne. Die Caritas vergab vier Preise mit einem Preisgeld von jeweils 2.000 Euro.
Den Preis in der Kategorie Print / Online erhielt Pascal Durain für seinen im Südkurier erschienenen Beitrag "Als er seiner Freundin die Rippe bricht, holt er sich Hilfe". Er thematisiert Gewalt in der Partnerschaft und tut dies ohne anklagenden Unterton.
Der Preis für die Kategorie Hörfunk / Podcast ging an Elisa Göppert und Hanna Kopp für ihr Radio-Feature im SWR "Eine so schöne Landschaft und ein so trauriger Ort - Erinnern und Vergessen in Haslach". Das Autorinnen-Duo ging der Frage nach, wieso ihre Heimatstadt Haslach im Kinzigtal an einem Ort eine Mülldeponie einrichtete, an dem im Zweiten Weltkrieg 1.700 Deportierte Zwangsarbeit verrichteten.
Weitere 2.000 Euro gingen an Yvonne Lachmann und Nora Mazurek für ihren Film "Lebensunwert". Die beiden Autorinnen begleiten das inklusive Ensemble "Die Tonne" des Theaters Reutlingen mit der Kamera bei der Entstehung und Aufführung eines Straßentheaterstücks über die Geschichte der Tötungsanstalt Grafeneck. Hier, in der Nähe von Reutlingen, ermordeten Nationalsozialisten 1940 insgesamt 10.654 Menschen, die sie im Rahmen ihrer menschenverachtenden Ideologie als "lebensunwert" diffamierten.
In der erstmals ausgeschriebenen Kategorie Social Media vergab die Jury den Preis an die Redaktion Heimat des SWR für ihre Geschichten aus dem Leben auf dem Instagram-Kanal @swrheimat . Der Kanal eröffnet Einblicke in die vielfältigen Lebenswirklichkeiten von Menschen. Es sind außergewöhnliche und treffende Darstellungen von Menschen, von Initiativen und Projekten, die bewegen und zum Nachdenken anregen.
Hinweis an die Redaktionen:
Bilder der Veranstaltung stehen ab Donnerstag, 5. Februar 2026, 12 Uhr als Download unter https://www.caritas-rottenburg-stuttgart.de/was-uns-wichtig-ist/preise-und-ehrungen/journalistenpreis/pressebilder