Die Caritas Baden-Württemberg hat zum 37. Mal die Gewinner*innen ihres Medienpreises gekürt. Eine unabhängige Jury hat sie aus 96 Wettbewerbsbeiträgen ausgewählt. Den Preis in der Kategorie Print bekommt Pascal Durain für seine Reportage "Als er seiner Freundin die Rippe bricht, holt er sich Hilfe" über partnerschaftliche Gewalt, die im Südkurier erschienen ist. Die Auszeichnung in der Kategorie Hörfunk/Podcast geht an das Autorinnenduo Elisa Göppert und Hanna Kopp für das Feature "Eine so schöne Landschaft und ein so trauriger Ort - Erinnern und Vergessen in Haslach", das im SWR Kultur Radio gesendet wurde. In der Kategorie Fernsehen erhalten die beiden Filmemacherinnen Yvonne Lachmann und Nora Mazurek den Caritas-Medienpreis für ihre TV-Doku "Lebensunwert", ausgestrahlt in der Reihe "Menschen hautnah" im WDR-Fernsehen. In der erstmals ausgeschriebenen Kategorie Social Media vergab die Jury den Preis an die Redaktion Heimat des SWRfür ihre Geschichten aus dem Leben auf dem Instagram-Kanal @swrheimat.
Mit der Auszeichnung würdigt die Caritas im Land Autorinnen und Autoren für herausragende publizistische Beiträge über gesellschaftliche und soziale Themen. Der Caritas Medienpreis wird von den beiden Caritasverbänden für die Erzdiözese Freiburg und der Diözese Rottenburg-Stuttgart vergeben und ist mit insgesamt 8.000 Euro (2.000 Euro je Kategorie) dotiert. Die Verleihung der Preise erfolgt am 4. Februar 2026 in Stuttgart im Rahmen der Jahresauftaktveranstaltung der Caritas Baden-Württemberg.
Die Gewinnerbeiträge
Der Reporter Pascal Durain lenkt in seinem ausgezeichneten Beitrag "Als er seiner Freundin die Rippe bricht, holt er sich Hilfe" den Blick auf ein brisantes Thema, über das oft nur hinter vorgehaltener Hand getuschelt wird: Gewalt in der Partnerschaft. Das tut er behutsam und ohne anklagenden oder verurteilenden Unterton. Es ist ihm gelungen, einen gewalttägig gewordenen Mann zu finden und ihn dazu zu bewegen, ihm seine Geschichte sehr offen zu erzählen. Dafür braucht es nach Auffassung der Jury nicht nur Hartnäckigkeit in der Recherche, sondern auch die Gabe, eine Vertrauensbasis zu dem Protagonisten aufzubauen. Einfühlsam, aber nicht distanzlos zeichnet der Autor in seiner Reportage den Prozess nach, wie der Mann sein Gewaltproblem erkennt, sich ihm schließlich stellt und Hilfe sucht. Die findet er in der Männergruppe "Kraft.akt", einem eher selten anzutreffenden Angebot für Täter der Caritas. Pascal Durain schildert nicht nur das Problem, sondern zeigt auf, dass und wie man es in den Griff bekommen kann, wenn man sich ihm stellt und mit Hilfe von außen an sich selbst arbeitet.
In ihrem Radio-Feature "Eine so schöne Landschaft und ein so trauriger Ort - Erinnern und Vergessen in Haslach" begeben sich Elisa Göppert und Hanna Kopp auf eine besondere Spurensuche in ihrer Heimat im Kinzigtal. Dort gibt es einen Berg namens "Vulkan". Wo heute eine Mülldeponie liegt, war früher ein Bergwerk, in dem während des Zweiten Weltkriegs 1.700 Deportierte Zwangsarbeit verrichteten. Die Bedingungen waren mörderisch, viele von ihnen starben. Elisa Göppert und Hanna Kopp gehen der spannenden Frage nach, wie es sein kann, dass die Stadt an diesem Ort eine Mülldeponie einrichtete. In ihrem aufwändig recherchierten, gut gemachten und fesselnd anzuhörenden Stück holen sie das damalige Leid zurück an die Oberfläche, beleuchten die Ambivalenz in der politischen Diskussion um die spätere Errichtung der Müllhalde und schildern das Engagement einer Initiative, die sich dem Gedenken an die damaligen Opfer und der Versöhnung mit deren Nachfahren widmet. Damit leisten sie, so die Jury, einen ganz besonderen Beitrag zur Erinnerungskultur, die gerade in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Situation von hoher Bedeutung ist.
Der Film "Lebensunwert" begleitet das inklusive Ensemble "Die Tonne" des Theaters Reutlingen mit der Kamera bei der Entstehung und Aufführung eines Straßentheaterstücks über die Geschichte der Tötungsanstalt Grafeneck. Hier, in der Nähe von Reutlingen, ermordeten Nationalsozialisten 1940 insgesamt 10.654 Menschen, die sie im Rahmen ihrer menschenverachtenden Ideologie als "lebensunwert" diffamierten. Für die Schauspielerinnen und Schauspieler, die psychische, körperliche oder geistige Beeinträchtigungen haben, ist das Stück eine Herausforderung: Sie erleben in der Auseinandersetzung mit dem Thema, wie ihr Schicksal vor rund 80 Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgesehen hätte. Ausgelöst durch die Beschäftigung mit Grafeneck stellen sich für sie Fragen nach ihrer gesellschaftlichen Anerkennung im Hier und Heute, nach der Wertschätzung ihrer Arbeit bis hin zur Rolle in der eigenen Familie. Denn auch im Privaten ringen sie oft darum, "für voll genommen" zu werden. Für die Jury ist der eindrucksvolle Film von Yvonne Lachmann und Nora Mazurek nicht nur eine zutiefst berührende, nachdenklich stimmende Dokumentation über die persönliche Auseinandersetzung mit dem Holocaust. Vielmehr zeigt er zugleich, dass die Frage nach dem Wert, den wir dem Leben zumessen, aktueller ist denn je.
Der Instagram-Kanal @swrheimat eröffnet Einblicke in die vielfältigen Lebenswirklichkeiten von Menschen. Kurz und prägnant, wie es in diesem modernen Kommunikationsformat üblich ist. Jeden Tag erzählt die Redaktion des SWR auf ihrem Insta-Kanal eine Geschichte aus dem echten Leben, manchmal spannend, manchmal überraschend, manchmal traurig, immer kurzweilig, ansprechend und anregend. Es sind außergewöhnliche und treffende Darstellungen von Menschen und Situationen, von Initiativen und Projekten, die bewegen und zum Nachdenken anregen. Die Jury beeindruckte insbesondere der Elan und das Know-How, mit dem das engagierte und motivierte Redaktionsteam diese Geschichten aufspürt, auf hohem Niveau im sozialen Netzwerk für Menschlichkeit und Mitgefühl wirbt - und damit inzwischen 239.000 Follower hat. Für die Jury ein ermutigender Beleg dafür, dass Menschen auch mit "good news" über soziale Medien zu erreichen sind.
Hinweis für die Redaktionen:
Fotos der Preisträger*innen stehen zum Download unter den folgenden Links bereit. Sie dürfen im Zusammenhang mit der Berichterstattung über den Caritas Medienpreis 2025 frei verwendet werden.
· Pascal Durain (Bildquelle: Tim Vaassen)