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Stand: 24.05.2019

Pressemitteilung

"Es geht um soziale Innovationen im Umgang mit der Digitalisierung"

Welche Auswirkungen der digitale Wandel für unsere Gesellschaft haben wird, ist kaum abzusehen. Wissenschaftler reden davon, als würde man einen neuen Kontinent entdecken und das Ende der Entdeckungsreise sei nur in Umrissen zu erahnen. Längst hat ein Prozess eingesetzt, der unsere Gesellschaft in allen Bereichen und jeder Hinsicht tiefgreifend verändern wird. Nicht alle Menschen werden den Veränderungen gewachsen sein. 81 Prozent der Deutschen befürchten, dass mehr Menschen durch die Digitalisierung abgehängt werden. 58 Prozent meinen, dass Digitalisierung Jobs vernichte. Genauso viele glauben aber, künftig von einem Ort ihrer Wahl aus arbeiten zu können - Voraussetzung dafür ist Medienkompetenz. Sie ist zur sozialen Frage geworden. Wer digital versiert und gut vernetzt ist, versteht es, Probleme zeitgemäß zu lösen. Doch was passiert mit den Menschen, die mit den Neuerungen nicht Schritt halten können? Der Frage nach dem "Sozialen im Digitalen" stellte sich die Caritas Baden-Württemberg bei ihrem Jahresauftakt. Im Haus der Katholischen Kirche in Stuttgart regte der katholische Wohlfahrtsverband an, Digitalisierung beispielsweise auch im Sozialen Arbeitssektor zu gestalten, um mittels digitaler Zugänge und Tools zeitgemäß auf die Bedürfnisse der Menschen reagieren zu können.

"Aber es geht nicht nur um den Einsatz von digitaler Unterstützung in der Pflege oder um die Entwicklung einer App, um die eigenen Dienstleistungen zeitgemäß an den Kunden zu bringen. Es geht auch um etwas Umfassenderes, um eine tiefgreifende Veränderung von Struktur und Kultur der Gesellschaft",  sagte Caritasdirektor Pfarrer Oliver Merkelbach (Rottenburg-Stuttgart) vor rund 200 Gästen aus Politik, Medien, Kirche und Wissenschaft. Der Prozess der Digitalisierung sei kein Schicksal, das über uns hereinbreche und dem wir hilflos ausgeliefert seien. "Diese tiefgreifende Veränderung gilt es bewusst und aktiv mitzugestalten - indem wir miteinander den Diskurs suchen über die Frage, wie wir leben wollen in einer digitalen Gesellschaft. Denn diese Frage kann keine Software und kein Algorithmus beantworten."

"Die Digitalisierung in der Sozialen Arbeit wird ein zentrales Thema der nächsten Jahre - und dabei geht es um eine Balance zwischen Humanismus und Effizienz", sagte Impulsgeber Prof. Dr. Stephan A. Jansen, Professor an der Karlshochschule Karlsruhe und Co-Gründer der Sozietät für Digitale & Soziale Transformation. Er wies darauf hin, dass es zudem um die sozialen Innovationen im Umgang mit den Digitalisierungsfolgen gehen müsse. Dies sei als zweite Säule der Wirksamkeit der Wohlfahrtspflege zu verstehen. "Es wird noch eine dritte Säule notwendig: die anwaltschaftliche Funktion in der rechtlichen wie ethischen Debatte über die Algorithmen und Robotik aus besonderer Sicht und Kenntnis der Caritas", so Jansen.

Caritasdirektorin Mathea Schneider (Freiburg) sagte, dass sich dem digitalen Wandel niemand entziehen könne, auch die Caritas nicht. Technische Neuerungen verantwortungsvoll zu nutzen, bedeute auch, die Konsequenzen von ihrem Ende her zu bedenken. "Die digitale Transformation mitzugestalten und dabei den gesellschaftlichen Zusammenhalt - das Soziale - nicht außer Acht zu lassen, setzt voraus, dass wir verantwortungsvoll abwägen: zwischen dem, was uns weiterführt auf dem Weg zu einer gerechteren und menschlicheren Gesellschaft und dem, was diesem Ziel im Weg steht, ja sogar schadet, weil es nur der Befriedigung von egoistischen Interessen und kalkuliertem Profitstreben dient", betonte Schneider. Die ethische Auseinandersetzung werde der Gesellschaft nicht erspart bleiben.

Caritas-Journalistenpreis würdigt herausragende publizistische Leistungen

Sie halten den Sinn für die sozialen Anliegen in unserer Gesellschaft wach - dafür wurden sechs Journalisten mit dem 30. Caritas-Journalistenpreis Baden-Württemberg ausgezeichnet.

Den mit 3.000 Euro dotierten ersten Preis erhielt das Autorenteam Julian Gräfe, Jürgen Rose und Thomas Schneider. In ihrem Film "Pflege: Hilft denn keiner?" greifen sie ein absolut drängendes Thema auf. Gut recherchiert und aufwändig gedreht, beleuchten sie den Stress in der Pflege, bei pflegenden Angehörigen ebenso wie bei professionellen Pflegekräften. Der Film erklärt, woran menschenwürdige Pflege oft scheitert. Er schlägt aber auch ein neues Finanzierungsmodell für die Pflege vor und stellt am Beispiel einer Senioren-Genossenschaft dar, wie Pflege menschenwürdig "organisiert" werden kann.

Der zweite Preis mit einem Preisgeld von 1.500 Euro ging an Patrick Batarilo für sein Hörfunk-Feature "Und plötzlich war er weg". In diesem Stück begibt sich der Autor auf eine persönliche Spurensuche nach einem heroinsüchtigen Freund aus Jugendtagen. Batarilo erzählt in besonderer Form und Dramaturgie über Gleichgültigkeit gegenüber besten Freunden, deren Chance oder Chancenlosigkeit auf ein gelingendes Leben bereits in den biografischen Rahmendaten grundgelegt ist. Aus Sicht der Jury erhält seine Suche eine gesellschaftliche Tiefendimension, die weit über eine übliche "Drogengeschichte" hinausgeht.

Ebenfalls mit einem zweiten Preis ausgezeichnet wurde Jonas Weyrosta für seine Reportage "Wie geht es Mohamed?", mit der er einen völlig anderen Blick auf die nach wie vor aktuelle Flüchtlingsthematik wirft: Nach drei abgelehnten Asylanträgen kehrte Mohamed Messaoudi im Jahr 2001 zurück nach Algerien. Die Großeltern des Autors hatten ihm dazu geraten. Bis heute fragen sie sich, ob das richtig war. Der Enkel macht sich auf die spannende Suche nach einer Antwort - diesseits und jenseits des Mittelmeers. Die Jury beeindruckte seine akribische Recherche und die schreiberisch hervorragend aufgearbeitete Zeitreise. 

Mit einer "Lobenden Erwähnung" wurde Uli Fricker für seine Reportage "Europas neue Nomaden" - erschienen im Südkurier - ausgezeichnet. Er spürt in seinem Beitrag eine Gruppe von Menschen auf, die unübersehbar die deutschen Autobahnen und Raststätten bevölkern und trotzdem oft übersehen werden: Trucker aus dem Osten, die meistens zu Billiglöhnen die deutsche Transportindustrie am Laufen halten und ein karges Leben auf der Straße führen. Der Autor schildert sachlich-nüchtern die sich dahinter verbergende brutale Lebenswirklichkeit von Europas neuen Nomaden.

Der unabhängigen Jury lagen 89 Beiträge vor, die in Presse, Hörfunk, Fernsehen und Online erschienen sind.


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