Themenschwerpunkt Bildung

Kommunalwahl 2019

Bildung gestalten und Chancen ermöglichen

Mann mit Kind in SchulzimmerKNA / Oppitz

In kaum einem anderen westlichen Industrieland ist der Bildungserfolg eines Kindes so stark von der sozialen Situation seiner Familie abhängig, wie in Deutschland. Insbesondere Kinder aus einkommensschwachen Familien sowie Kinder mit Migrationshintergrund sind dadurch schon früh in ihrer Entwicklung benachteiligt. Wir sind der Ansicht, dass dies ein unhaltbarer Zustand für ein reiches Land wie Deutschland und das "Musterländle" Baden-Württemberg ist.

Entgegen der allgemeinen Meinung, dass Bildung nur "Ländersache" sei, haben die Kommunen hinsichtlich Bildung, Entwicklung und Erziehung junger Menschen sehr viel Einfluss.

Die Bildungslandschaft muss gestaltet, nicht bloß verwaltet werden

Kommunen sind zentrale Akteure in der Bildung, Entwicklung und Erziehung junger Menschen vor Ort. Es ist wichtig, dass sich die Kommunen nicht nur als Verwalterinnen, sondern als Gestalterinnen für bessere Bildungsbedingungen und -möglichkeiten einbringen und eine kommunale Gesamtkonzeption entwickeln.

Wir als Caritas Baden-Württemberg fordern neben dem Auf- und Ausbau kommunaler Bildungslandschaften, Partnerschaften auf Augenhöhe, Präventionsketten und ein erfolgreiches Übergangsmanagement für ein gelingendes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen. Hierzu stehen wir z.B. mit der Expertise und Erfahrung aus der Schulsozialarbeit den Kommunen und dem Land zur Verfügung.

"Sich bilden" ist mehr als das Erreichen eines Schulabschlusses

Die Rahmenbedingungen werden also entscheidend von der Kommunalpolitik beeinflusst. Dazu gehören zum Beispiel grundlegende Aspekte der Existenzsicherung der Eltern wie bezahlbarer Wohnraum oder die Stärkung des Bildungs-, Entwicklungs- und Erziehungsort Familie.

Die Kommunen sind außerdem ein wichtiger Akteur in der Umsetzung und Gestaltung der Ganztagsschule und Ganztagsbetreuung. Im Rahmen ihrer kommunalen Selbstverwaltung haben sie in der Kinder- und Jugendhilfe zudem weitreichende Möglichkeiten, Bildung, Entwicklung und Erziehung junger Menschen zielführend zu fördern und sie aktiv daran zu beteiligen.

Kommunalpolitische Handlungsmöglichkeiten

Frühe Unterstützung, Förderung und Bildung von Anfang an

Bildungs- und Chancengerechtigkeit von Anfang an sicherstellen

Kinder aus Familien, die von Armut betroffen und bedroht sind, erleben überproportional ausgeprägte Bildungsbenachteiligung. Daher braucht es eine flächendeckende niedrigschwellige Lern- und Sprachförderung, um so ihren Zugang zu Bildung zu erleichtern.

Um Kinder- und Jugendarmut nachhaltig zu bekämpfen, liegen neben der grundlegenden Existenzsicherung von Familien und ihren Kindern weitere Ansatzpunkte in der Gemeinde- bzw. Stadtentwicklung, in einer verantwortlichen Wohnungs- und Baupolitik oder auch in gezielten kommunal erbrachten freiwilligen Leistungen.

Zum Beispiel

  • Übernahme von Kita-Gebühren für einkommensschwache Haushalte
  • Bonuscards, die Teilhabe am sozialen Leben ermöglichen
  • Sozialtickets, die eine gute Mobilität über den ÖPNV garantieren

Weiterhin sollten und können Kommunen unserer Ansicht nach, die frühen und präventiven Hilfen im Sozialraum auf- und ausbauen. Denn …

  • ... vor allem Orte der frühkindlichen Bildung haben besonders für Kinder aus benachteiligten bzw. von Armut betroffenen Familien ein großes Potential, auch hinsichtlich Armutsprävention
  • … sie stärken Beziehungs-, Erziehungs- und Alltagskompetenz von (werdenden) Eltern

Schule als zentraler Ort der Bildung

Qualitätsvolle Ausgestaltung der Schule als zentraler Ort der Bildung

Die Kommunen sind für die Ausgestaltung der Mittagsbetreuung der Ganztagsgrundschulen (nach § 4a Schulgesetz BW) verantwortlich. Es reicht nicht aus, diesen Zeitraum einfach nur zu beaufsichtigen. Es benötigt eine pädagogisch wertvolle Gestaltung des sogenannten Mittagsbandes.

Gerade für Grundschulkinder besteht hier die Möglichkeit, sich selbst kennen zu lernen und Talente zu entdecken oder entwickeln. Dafür müssen die Kommunen aber bereit sein, entsprechende personelle Ressourcen und ggfs. zusätzliches pädagogisches Personal zur Verfügung zu stellen. Kinder, die nicht den schulischen Ganztag besuchen, müssen eine qualitätsvolle Ganztagsbetreuung erhalten. Auch hier sehen wir die Kommunen in der Pflicht!

Außerdem fordern wir die Kommunen auf, die Schulsozialarbeit auf dem bestehenden Niveau zu sichern und weiter auszubauen. Es ist fachlich angeraten, bedarfsgerecht Schulsozialarbeit an allen Schularten einzurichten. Die Erfahrung sowie die Erfolge in der Schulsozialarbeit zeigen, dass diese ein wertvolles pädagogisches Instrument ist

Kind- und jugendgerechte Kommune sein

Was ist Kindern und Jugendlichen wichtig? Welche Anliegen, Bedürfnisse oder Forderungen haben sie? Nur wer eine Kultur des Zuhörens und echte Beteiligung für Kinder und Jugendliche schafft und damit auf Augenhöhe mit ihnen kommuniziert, kann Kommunalpolitik kind- und jugendgerecht gestalten.

Als Caritas sind wir der Ansicht, dass eine partizipative Jugendhilfeplanung nicht nur zu einer flexiblen, bedarfsgerechten und zielgruppenbezogenen Kinder- und Jugendhilfe beiträgt, die sich dann positiv auf notwendige infrastrukturelle Angebote sowie individuelle Hilfen auswirkt. Gelebte Partizipation wirkt sich auch positiv auf die Lebensbedingungen für Kinder und Jugendliche in der Kommune aus.

Beteiligung …

  • … lässt wichtige Erfahrungen für die Entwicklung und Selbstwirksamkeit machen
  • … fördert Demokratieverständnis
  • und unterstützt letztlich auch die Wirksamkeit der kommunal erbrachten Fördermaßnahmen.

Hilfen zur Erziehung fördern eine bedarfsorientierte Entwicklung

Wir als Caritas Baden-Württemberg sehen in den Hilfen zur Erziehung eine zentrale gesellschaftliche Unterstützung und Förderung von Kindern und Jugendlichen, die von komplexen Benachteiligungen betroffen sind. Wir fordern daher, dass diese Aufgabe kommunaler Selbstverwaltung nicht gegen andere Aufgaben ausgespielt wird.