Themenschwerpunkt Arbeit

Kommunalwahl 2019

Arbeiten, um mehr als nur zu überleben

zwei Männer in einer RadstationKNA / Oppitz

Inwiefern sind Kommunen von dieser Situation betroffen? Natürlich haben die Kommunen ein Interesse daran, das Leben ihrer Bürger lebenswert zu gestalten. Ein Baustein dabei ist, dass sich die Gesellschaft nicht in jene aufteilt, die vom Aufschwung profitieren und jene, die nichts davon haben! Weiterhin haben die Kommunen ein Interesse daran, Menschen in Beschäftigungsverhältnisse zu bringen, die sie von ergänzenden Sozialleistungen oder Zuschüssen unabhängig machen. Diese Zuschüsse belasten die kommunalen Haushalte.

Die Interessen zeigen auch deutlich, welche Rolle die Kommunen beim Thema Arbeit einnehmen: Sie sind Vermittler zwischen Bürgern und Wirtschaft und auch Vorbild bei der Gestaltung von Arbeitsbedingungen.

Kommunalpolitische Handlungsmöglichkeiten in der Arbeitspolitik

Berufliche Perspektiven für junge Menschen schaffen

Eine gute und fair bezahlte Arbeit, in der Menschen sich auch verwirklichen können, ist essentielle Grundlage dafür, den Lebensunterhalt selbstständig zu bestreiten und nicht von gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen zu werden. Gerade Jugendliche müssen dabei in den Fokus genommen werden und unbürokratisch Unterstützung erhalten. Vor allem der Übergang zwischen Schule und Beruf muss optimal gestaltet werden. Denn diejenigen, die den Übergang nicht so gut meistern, haben ein höheres Risiko, die Langzeitarbeitslosen von morgen zu werden. Das dürfen wir als Gesellschaft nicht zulassen.

Daher ist es notwendig, dass die Kommunen in Zusammenarbeit mit Arbeitsmarkt- und Bildungsakteuren ihr regionales Übergangsmanagement ausbauen und neue Förderangebote entwickeln.

Konkret könnten Maßnahmen zur Berufsorientierung initiiert werden oder Förderangebote (z.B. Patenmodelle) entwickelt werden, die den Jugendlichen den Zugang in Ausbildung erleichtert oder sie in der Ausbildung unterstützt.

Berufliche Teilhabechancen für Langzeitarbeitslose verbessern

Die Menschen, die heute von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen sind, sind diejenige, die am wenigsten von der verbesserten Beschäftigungssituation profitieren. Bedenklich ist, dass sich Verfestigungstendenzen zeigen. Immer weniger Langzeitarbeitslose finden Beschäftigung und Maßnahmen und Gesetzesänderung erzielen nicht die gewünschten Erfolge. Das Teilhabechancengesetz war zwar ein erster guter Schritt, zu viele Langzeitarbeitslose sind von dieser Förderung allerdings ausgeschlossen profitieren davon nicht!

Bei dieser Personengruppe zeigt sich die herausragende Rolle von Kommunen als Vermittler in Beschäftigungsmöglichkeiten. Sie kennen nämlich sowohl Arbeitgeber, wie auch benachteiligte Menschen vor Ort.

Wir sind davon überzeugt, dass vor allem langfristige Hilfen mit begleitenden sozialpädagogischen Unterstützungsmaßnahmen diese Personengruppe wieder in Lohn und Brot bringen werden. Kommunen müssen außerdem neue Formen der Vermittlung und Fördermaßnahmen entwickeln, dies in Zusammenarbeit mit den Akteuren aus Wirtschaft und Wohlfahrtsorganisationen vor Ort.

Prekäre Lebenssituation gezielt unterstützen

Aus dem Blick dürfen auch jene nicht geraten, die zwar in Lohn und Brot stehen, jedoch vom Verdienst ihrer Arbeit nicht leben können. Prekäre Formen der Arbeit weiten sich immer mehr aus. Vor allem Frauen und Alleinerziehende sind davon betroffen.

Ob und wie es gelingt, dass diese Personen aus prekärer Beschäftigung kommen, hängt maßgeblich von den Rahmenbedingungen und Unterstützungsmöglichkeiten ab. Eine gute Mobilität zum Beispiel oder die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie der bedarfsgerechte Zugang zu Kinderbetreuung spielen eine außerordentliche Rolle. Aus Sicht der Unternehmen ist außerdem nicht zu vernachlässigen, welches großes Arbeitspotential den Unternehmen entgeht, den diese Zielgruppe mit ihrer Lebenserfahrung, ihrem Engagement und ihren Kompetenzen mitbringen.

Wie beim Thema Mobilität ausführlicher erläutert, sind wir davon überzeugt, dass die Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs für Menschen in prekären Lebenssituationen oder von Armut betroffenen Personen vergünstigt oder kostenfrei sein muss. Nur so haben diese überhaupt die Möglichkeit an Bildungs- und Qualifikationsangeboten teilzunehmen.