Themenschwerpunkt Pflege

Kommunalwahl 2019

Pflege im Wandel – Jetzt muss gehandelt werden!

Alte Dame mit PflegerinDeutscher Caritasverband / Pedro Citoler

Nicht nur privatwirtschaftliche Sozialstationen, auch Einrichtungen der Caritas müssen leider immer häufiger Anfragen pflegebedürftiger Menschen nach Unterstützung und Versorgung ablehnen oder können diese nicht mehr im gewünschten Umfang erbringen. Das vorhandene Angebot kommt der steigenden Nachfrage nicht mehr nach. Ein zunächst nur vereinzelt existentes Probleme hat sich inzwischen auf nahezu ganz Baden-Württemberg ausgebreitet. Es herrschen fast flächendeckende Versorgungsengpässe in der Pflege im Südwesten!

Welche Rolle spielt die Kommune?

Die meisten Menschen möchten bei einsetzendem Bedarf an Unterstützung und Pflege in der gewohnten häuslichen Umgebung bzw. im gewohnten Umfeld wohnen bleiben. Zwar werden die für die Pflege relevanten Rahmenbedingungen in Bundes- und Landesgesetzen geregelt, da Pflege aber in aller Regel wohnortnah und in sozialräumlichen Bezügen stattfindet, spielt die Kommune im Sinne einer "Sorge vor Ort" eine neue und ganz entscheidende Rolle. Die Kommunen haben vom Bund außerdem den politischen bzw. gesetzlichen Rahmen vorgegeben bekommen, der es ihnen erlaubt, strukturelle Maßnahmen der Pflege zu planen, koordinieren, initiieren und sich daran zu beteiligen.

Gibt es einfach zu wenig Pflegerinnen und Pfleger?

Die Ursache für diese Versorgungsengpässe ist nicht allein auf den Mangel an entsprechend qualifiziertem Personal zurückzuführen, der stockende Ausbau an Unterstützungs- und Pflegeangeboten, die hohe psychische und physische Belastung der Pflegenden sowie die schwierige Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind hier zu nennen.

Vor dem Hintergrund des demografischem und gesellschaftlichem Wandel braucht es heute Lösungen und systemische Veränderungen, bevor das bestehende Hilfesysteme kollabieren.

Kommunalpolitische Handlungsmöglichkeiten in der Pflege

Gestaltungsmöglichkeiten nutzen - Strukturen wohnortnah auf- und ausbauen

Kommunen müssen angesichts der demografischen Entwicklung die Planung und Gestaltung von Pflegestrukturen als wichtige kommunale Aufgabe erkennen und Verantwortung übernehmen, auch wenn es sich um keine kommunale Pflichtaufgabe handelt.

Zum Beispiel können kommunalen Pflegekonferenzen eingerichtet werden, um den Bedarf an Pflege und Unterstützung zu erkennen. Daraus müssen Handlungsmöglichkeiten und erforderliche Maßnahmen abgeleitet werden. Im Zentrum dieser Entwicklungs- und Gestaltungsprozesse muss dann immer eine sozialräumliche Orientierung, also eine Orientierung an den ganz konkreten sozialen und räumlichen Lebensumständen der Menschen, stehen.

Um die Pflege gestalten, auf- und ausbauen zu können, sollten Kommunen

  • Ihre gesetzlich vorgegebenen Finanzierungsoptionen nutzen, um Unterstützungsstrukturen zu fördern, die es pflegebedürftigen Menschen ermöglicht, in ihrem Wohnumfeld zu verbleiben
  • Mit Akteuren der Pflege eng und sozialraumorientiert zusammenarbeiten
  • Bürgerinnen und Bürger als Lebensexperten an der Ausgestaltung der Pflegestrukturen beteiligen

Das Leitbild einer sorgenden Gesellschaft

Neben den ganz konkreten Gestaltungsmöglichkeiten, sollten Kommunen das Leitbild einer sorgenden Gesellschaft ("caring community") vor Augen haben und befördern, wenn sie künftige Unterstützungs- und Versorgungsstrukturen planen.

Sorgende Gesellschaft, das bedeutet, dass es eine andere Kultur in der örtlichen Gemeinschaft braucht. Eine Kultur, in der auch an die Verantwortung der Bürgerinnen und Bürger appelliert wird und in der die Gemeinschaft an einem guten sozialen Miteinander arbeitet.
Die Kommunen müssen die Grundlage für solch eine Kultur und Denkweise schaffen, diese befördern und Anreize dafür bieten. Die gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist zum Beispiel ein wichtiger Baustein dabei.

Caritas als Partner wahrnehmen

Nicht nur die Caritas und ihre katholischen Träger müssen als Partner in der Gestaltung der Pflege wahrgenommen werden! Alle wichtigen Akteure eines Sozialraums, die eine Funktion in Bezug auf die Versorgung unterstützungs- und pflegebedürftiger Menschen inne haben, müssen in kommunale Planungsgremien einbezogen werden.

Diese Partner sind nicht nur Dienstleister, sondern auch direktes Sprachrohr für viele Pflegende und pflegebedürftige Menschen. Sie können der Türöffner zu anderen wichtigen Akteuren (z.B. Ehrenamtliche) sein und so einen entscheidenden Beitrag zu einer sorgenden Gesellschaft leisten.
Wir fordern die Kommunen also auf, in Planungsprozessen keine wichtigen Partner auszuschließen. Planung, Gestaltung, Auf- und Ausbau der Pflege muss integrativ sein und in kooperativer Form erfolgen.

 

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